Schon zwei Tage nach meiner Ankunft im "neuen Zuhause" ging für mich die Schule los.
Ich besuchte den Unterricht der öffenlichen "Richfield High School", zusammen mit etwas mehr als 70 Mitschülerinnen und Mitschülern. Wie üblich an einer amerikanischen High School wurde auch da das Schuljahr mit dem Trimester-System unterteilt. Für jedes Trimester kann sich der Schüler seine Fächer auswählen, welche dann jeden Tag in der exakt gleichen Reihenfolge besucht werden.
Da ich mich beim Leichtathletik-Club und später dann auch im Basketball-Team angemeldet habe, wurden mir jeden Morgen 70 Minuten Ausdauertraining "verschrieben", welches sehr internsiv war. Danach folgten meine fünf ausgewählten Schulfächer und danach zwei bis drei Stunden Training für die ausgewählte Sportart.
Mir wurde bald bewusst, dass in Amerika die Schule einen viel höheren Stellenwert als in der Schweiz hat, denn die Schüler einer High School sehen es als eine grosse Ehre, als festes Mitglied ihrer Schule akzeptiert zu sein. Zu den Wettkämpfen in den einzelnen Sportarten an der High School kommen nicht selten hunderte von Zuschauern, die Schüler werden zu Stars in der ganzen Umgebung.
Neben der Schule und dem anschliessenden Sportunterricht gab es leider nicht sehr viel zu Unternehmen im kleinen Richfield. Es gibt keinen Jugendtreffpunkt oder ähnliches, und mir wurde sehr bald bewusst, dass die meisten Amerikaner ihr Leben nur ungern mit Freunden teilen. So gingen die meisten Amerikanischen Schüler nach der Schule direkt nach Hause und beschäftigten sich selber mit dem Computer oder ähnlichem.
Dies war der Grund, wieso ich mich bald mit den mexikanischen Mitschülern befreundet habe. Diese blühen nur so vor Lebensfreude, geniessen das Leben mit Freunden und ihrer Familie und sind um einiges aufgeschlossener gegenüber Fremden als die Amerikaner. Zusammen gingen wir in die Städte Boise und Twin Falls um shoppen zu gehen, wir gingen ins Kino, auswärts essen oder wir trafen uns gegenseitig im Dorf, um über alles mögliche zu reden.
Wie ich in meinem vorherigen Post bereits geschrieben habe, waren meine Gasteltern Mormonen, und ich versprach ihnen, einmal im Monat mit ihnen zur Kirche zu gehen. Der Gottesdienst fing mit Gebeten und Singen an und wurde danach von den so genannten "Testimonies" weitergeführt. Dabei begeben sich einige Kirchenmitglieder nacheinander zum Altar, um eine Rede zu halten, welche beweisen soll, dass ihre Glaubensrichtung die richtige sei und alle anderen falsch liegen. Dabei wurden die Leute so emotional, dass sie teilweise anfingen zu weinen und bei einigen älteren Leuten dachte ich des öfteren, dass sie sehr bald einen Herzinfarkt erleiden würden.
Diese intensive Portion an Glauben wird einem während dreieinhalb Stunden ununterbrochen eingeredet und nach einer halben Stunde fing ich an, die Minuten zu zählen.
Wie ihr seht, ein Austauschjahr ist zwar eine tolle Erfahrung, jedoch wird es immer Situationen geben, auf welche man gerne verzichten würde.
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