Sonntag, 12. September 2010

Meine Gasteltern

Bei meinen Gasteltern handelte es sich um ein Rentnerpaar, welche beide in der Region aufgewachsen und waschechte "Idahoans" sind. Sie haben 6 Kinder, welche jedoch alle seit längerem ausgezogen sind und vier von ihnen haben bereits eine eigene Familie gegründet. Meine Gastmutter ist sehr diskret, ruhig und eine sehr liebenswerte Person, ihr grösstes Hobby ist das Klavierspielen.
Ihr Ehemann ist ein witziger Mensch und anfangs war es teilweise schwierig für mich, seinen Humor zu verstehen, was jedoch auch mit meinen damals noch nicht so guten Englischkenntnissen zusammenhing.
Doch obwohl es sich bei beiden um sehr nette Personen handelt, war es nicht immer ganz einfach mit ihnen auszukommen. Beide sind überzeugte Mormonen, und damit sehr konservativ und auf (fast) alles neuzeitliche schlecht zu sprechen. So finden sie es zum Beispiel eine Schande, dass ausgerechnet der Präsident der Vereinigten Staaten dunkelhäutig ist und sich für die Gleichstellung aller Leute im Lande einsetzt. Anstatt zu versuchen, die positiven Seiten an Obama's Politik zu sehen, trauern sie lieber seinem Vorgänger George W. Bush nach.
Da ich Diskussionen liebe, begab ich mich manchmal in heisse Situationen mit meiner Gastmutter, denn sie mag es genauso wie ich, Streitthemen aufzubringen und darüber zu diskutieren. Der Grund, wieso einige unserer harmlosen Diskussionen fast zum einem Streit ausarteten war jener, dass wir beide sehr überzeugt von unseren eigenen Meinungen sind: Sie behauptet, dass JEDES EINZELNE Wort, welches in der Bibel steht, dem Wort Gottes entspricht und deshalb 100 % der Wahrheit entspricht. 
Ich hingegen bin überzeugter Atheist, der lieber seinen eigenen Kopf verwendet, um seine eigenen Meinungen zu einem Thema zu kreiren.
Glücklicherweise waren wir jedoch nach jeder brisanten Diskussion wieder beide dazu bereit, zuzugeben, dass jeder seine eigenen Meinungen zu einem Thema haben darf und damit klappte das Zusammenleben gut.

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